12-12-2018
20 Minuten

Originalantworten der Präsidentin Gisela Etter zum Artikel vom 11.12.18 im 20 Minuten:

Abstimmung über:http://m.20min.ch/schweiz/news/story/sollen-universitaeten-homoeopathie-verbannen--17865723

Die medizinische Universität Wien hat das Wahlfach Homöopathie abgeschafft, weil es unwissenschaftlich sei. Was halten Sie davon?

Wenn Wissenschaft zu eng gefasst wird und nur existieren darf, was mit heutigen Methoden messbar ist, dann wird man dem Leben und der Natur nicht gerecht.

Moderne Wissenschaft lebt mit dem Eingeständnis, dass es die EINE Wahrheit nicht gibt. Wir homöopathisch tätigen Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz setzen uns ein für weitere, ergebnisoffene Forschung.

 

In der Schweiz ist Homöopathie im Leistungskatalog der Grundversicherungen enthalten. Das Bundesamt für Gesundheit begründet das damit, dass die wissenschaftliche Wirksamkeit, die Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit erwiesen seien. Einverstanden?

Eine grosse Mehrheit der Bevölkerung und der Schweizer Verein homöopathischer Ärztinnen und Ärzte sind mit diesem Entscheid des BAG einverstanden.

Der Entscheid bezüglich Wirksamkeit wurde nach den Regeln von Evidence based Medicine gefällt. Dazu gehört jede Form von systematisierter ärztlicher Expertise, die Studienlage und immer deutlicher auch die Patientenpräferenz.

Zu Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit hat sich das BAG whs. auf seine eigenen Studien im Rahmen des Programmes Evaluation Komplementärmedizin gestützt. Diese Daten belegen, dass die Kosten der Homöopathie im Vergleich mit der konventionellen Medizin nicht höher sind (pro Arzt und Jahr sogar um knapp 1/3 tiefer), bei höherer Patientenzufriedenheit. (Bern BAG Studer H.P., Busato A.; Ist ärztliche Komplementärmedizin wirtschaftlich? SAeZ 2010;91:707-711).

Und sie zeigen auch, dass Grundversorger mit Homöopathie mehr chronisch Kranke und schwerer Kranke mit integrativer Medizin behandeln als das Vergleichskollektiv Grundversorger ohne Homöopathie, und dies mit tieferen Praxis- und Medikamentenkosten. (Melchart D. et al.; Schlussbericht Programm Evaluation Komplementärmedizin, 2005).

 

Gehört Homöopathie zu einem Medizin-Studium dazu?

Gemäss Lernzielkatalog „PROFILES“ vom März  2017 ist die Komplementärmedizin in der Lehre zu berücksichtigen und Kenntnisse über komplementärmedizinische Methoden sind in die Ausbildungsziele integriert. Studierende werden in ihrer Kompetenz gefördert, die Patientenpräferenz in Therapiepläne zu integrieren. Deshalb macht es Sinn, wenn zukünftige Ärztinnen und Ärzte Kenntnisse über Homöopathie haben.

In einer entsprechenden Abstimmung hat sich 2009 eine grosse Mehrheit der Bevölkerung hinter die Komplementärmedizin gestellt. Wie erklären Sie sich das?

Ein sehr grosser Anteil der Bevölkerung wendet Komplementärmedizin an und ist zufrieden bis sehr zufrieden mit der Wirksamkeit und Verträglichkeit.

 

Wo liegen die Grenzen der Homöopathie?

Die Grenzen der Homöopathie sind für mich als Ärztin dieselben wie in der konventionellen Medizin.